Zu den SPD-Stadträten

Die Vernunft hat gesiegt - Stadtrat rettet Stadion und Dynamo vor dem Finanzbürgermeister

Die Entscheidung der Mehrheit des Stadtrates - alle Fraktionen außer der CDU - für einen höheren Zuschuss zum Betrieb des Rudolf-Harbig-Stadions Dresden ist richtig und sinnvoll. Aktuell ging es eben nicht, wie vom Finanzbürgermeister fälschlich behauptet, um die Misswirtschaft von Dynamo, sondern um eine völlig überhöhte Miete für das Stadion. Das haben unabhängige Vergleichszahlen des DFB klar dargelegt. Und es ging auch nicht um eine ungerechte Bevorzugung zu Lasten Dritter.

Eine Entscheidung, die Dynamo in die Insolvenz geführt und ein leeres Stadion zurückgelassen hätte, wäre für die Stadt mit deutlich höheren Folgekosten von über 4 Mio. Euro pro Jahr verbunden gewesen. Unsere Fraktion hat sich darum nach intensivem Abwägen der Alternativen von der Vernunft leiten lassen und mit dem von uns initierten Änderungsantrag einen guten Kompromiss ermöglicht.

Der Fussballsport hat in Dresden eine lange und erfolgreiche Tradition. War es vor dem 2. Weltkrieg der DSC der Geschichte schrieb, so gehört seit 1953 die SG Dynamo zu Dresden, wie der Zwinger, der Kulturpalast oder die Operette. Namen wie Helmut Schön und Richard Hofmann haben noch heute unter den Fussballfreunden in ganz Deutschland einen hervorragenden Ruf. In den legendären 70iger Jahren prägten Spieler wie "Dixie" Dörner, Schade, Kreische, Sammer, Häfner, Ganzera, Schmuck oder Geyer den "Dresdner Kreisel" und spielten sich in die Herzen von Millionen Fussballanhängern in ganz Europa. Der unvergessene Meistertrainer Walter Fritzsch führte die Dresdner in dieser Zeit zu Meistertiteln und Pokalsiegen. In Europapokalspielen wurden Mannschaften wie Juventus Turin, FC Porto oder Benfica Lissabon besiegt. Später folgten weitere Talente aus der Region wie Gütschow, Kirsten, Minge oder Jeremies, die auch in der Zeit nach 1989 zum Teil als Nationalspieler für ganz Deutschland Furore machten. Nicht zuletzt Matthias Sammer, der 1996 die deutsche Mannschaft als Kapitän zum EM Titel in England führte und heute beim DFB für den Bereich des Nachwuchs eine hohe Verantwortung trägt. Seit kurzem gehört mit Ralf Minge auch ein weiteres Dresdner Urgestein zum Trainerstab des DFB.

Aktuell ist die SG Dynamo Dresden mit rund 5200 Mitgliedern der größte sächsische und mit Abstand der größte Dresdner Sportverein . Über 200 Kinder und Jugendliche trainieren bei Dynamo, mit dem Anspruch Leistungssport zu betreiben. Dafür hat die SGD gemeinsam mit der Stadt, der Ulf-Kirsten Stiftung und dem Förderverein Zukunft Dynamo e.V in den vergangenen Jahren ein Nachwuchszentrum errichtet, das vom DFB als Eliteschule des Fussball anerkannt worden ist. Um dieses Zentrum zu betreiben, investiert der Verein pro Jahr 500.000 Euro. Diese gewaltige Summe ist eine freiwillige Leistung, da ein solches Zentrum in der Dritten Liga keine Pflicht ist. Trotzdem ist dieser Weg richtig. Die Erfolge der Vergangenheit basierten insbesondere auf einer exzellenten Nachwuchsarbeit. Die Fehler der Nachwendejahre, als man diese einfache Wahrheit verdrängt hatte, sollen damit beseitigt werden. Dafür benötigt man neben Geld vor allem Ausdauer, Geduld und den Einsatz der Trainer und Betreuer.

Bezieht man diese Überlegungen mit ein, dann erklärt sich auch, warum es richtig war und ist in diesen Bereich städtische Zuschüsse zu investieren. Bereits 1999 hatte der CDU dominierte Stadtrat den Neubau eines Stadions, damals im Ostragehege, beschlossen. Leider hat die Stadt Dresden, insbesondere der damalige OB Wagner (CDU), es dann aber verpasst, im Zuge der Fussball WM 2006 mit Hilfe von Fördermitteln ein Stadion zu bauen und die WM auch nach Dresden zu holen. So blieb es der "linken" Mehrheit im Stadtrat ab 2004 vorbehalten gemeinsam mit dem OB Roßberg das Vorhaben Ersatzneubau RHS auf den Weg zu bringen. Ein objektiver Standortvergleich ergab eine gleiche Eignung von Innenstadt und Ostragehege. Sympathie und Respekt für die Wünsche der Betroffenen haben dann im Januar 2005 zur Entscheidung für einen Neubau am alten Standort geführt. Was folgte, war jahrelanges Anrennen gegen ein Verhinderungsbollwerk aus CDU in der Verwaltung, im Rat, im Land und im Regierungspräsidium. Unzähligen Finten, Verzögerungen und Tricksereien zum Trotz wurde das Stadion ab 2008 zügig errichtet und im Herbst 2009 mit einem grandiosen Eröffnungsspektakel vor 32.000 Zuschauern im ausverkauftem Haus eröffnet.

Die heutige Situation ist zwiespältig. Dynamo Dresden hat nach jahrelangen internen Querelen erstmals seit der Wende personell und strukturell wieder an Stabilität gewonnen. Die Zeit der Selbstdarsteller und Zampanos scheint vorbei. Das neue Stadion ist dabei Segen und Fluch zugleich. Segen deshalb, weil das Stadion mit einer phantastischen Athmosphäre jeden Gegner beeindruckt und Dresden zum unangefochtenen Ligakrösus hinsichtlich der Zuschauerzahlen macht. Zahlen, von denen sogar mancher Zweitligist nur träumen kann. Auf der anderen Seite haben die Kosten für die Nutzung der Sportstätte eine solche Dimension angenommen, dass tatsächlich die Insolvenz gedroht hätte, wenn der Stadtrat dem Vorschlag des Finanzbürgermeisters Vorjohann (CDU) und der OB Orosz (CDU) gefolgt wäre.

In umfangreichen Gesprächen haben wir als SPD-Fraktion uns in den letzten Wochen mit den Daten und Fakten befasst. Die übereinstimmenden Aussagen von Verein, Wirtschaftsprüfer und DFB haben uns überzeugt. Eine Stadionmiete von rund 2 Mio Euro ist durch keinen Verein in Deutschland in der Dritten Liga zu erwirtschaften. Ein Stadion ohne Hauptmieter ist jedoch nicht überlebensfähig und würde die Stadt Dresden pro Jahr mehr als 4 Mio Euro kosten. Wir sind der Meinung, Dresden muß nicht die Fehler von Leipzig wiederholen! Aus diesem Grund haben wir uns aktiv an der Erarbeitung eines Vorschlages beteiligt, der die Interessen von Stadt und Verein berücksichtigt und gleichzeitig Betreiber und Vermarkter in die Pflicht nimmt. Das ist für uns Realpolitik.

Die dem Verein 2009 aufgezwungenen Nutzungs- und Vermarktungsverträge müssen geändert werden, damit der Sportverein sich wieder auf seine Hauptaufgabe, das Fussballspielen konzentrieren kann. Dynamo Dresden wird nach dem jetzt beschlossenen Antrag für die Saison 2010/11 eine Miete von rund 700.000 Euro zahlen. Das ist immer noch doppelt so viel wie die teuerste Miete der konkurrierenden Vereine der Dritten Liga.

Neben dem sportlichen Aspekt ist die SG Dynamo Dresden aber auch ein Wirtschaftsfaktor, ein Werbeträger für die Stadt und hat eine hohe sozialpolitische Bedeutung. Wir als Sozialdemokraten sehen bei Dynamo Dresden vor allem Chancen und nicht immer nur Probleme und Risiken in den genannten Bereichen, wie dies die CDU seit 1990 mit Vorliebe tut. Wer wie der Kreisvorsitzende der Union, Lars Rohwer offen und ungeniert für eine Insolvenz von Dynamo Dresden plädiert, der disqualifiziert sich selbst. Er hat von Sport und von Dresden nichts verstanden und er wird es wohl auch nie verstehen.

Für uns ist die SG Dynamo Dresden ein schlafender Riese. Es gilt, den Riesen zu wecken und die Potentiale, die heute noch brachliegen, zum Wohle des Vereins und der Stadt Dresden nutzbar zu machen. Dabei werden wir als SPD ein zuverlässiger und berechenbarer Partner bleiben.

Thomas Blümel, sportpolitischer Sprecher der SPD-Fraktion

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